Valparaiso - Iquique - Callao 2006

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Törnplan
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Wachplan
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0-4 Wache
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4-8 Wache
Es war ein langer Flug zum Crewwechsel nach Valparaiso. Am Ende gab es einen sensationellen Blick auf die Anden. Bezüglich des Wetters war das sonnige Valparaiso eine gewaltige Verbesserung im Vergleich zum deutschen Schmuddelwetter. Der Schiffsarzt war bereits in den ersten Tagen in vollem Einsatz um Sonnenbrände zu lindern. Unvermittelt fanden wir uns nicht nur in der Sonne, sondern auch im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit wieder: Die Alex war nämlich Pflichtteil der viertelstündlich verkehrenden Hafenrundfahrt von Valparaiso und die chilenischen Touristen erwiesen sich sogar als textsicher in der deutschen Nationalhymne. Am Nachmittag des 11.02.2006 erfolgte die Proviantübernahme. Der Unbedarfte fragte sich dabei nicht nur, wer das alles essen und trinken soll, sondern auch wo das alles untergebracht werden sollte. Aber dank vieler Hände und guter Organisation waren die 12 Riesenkisten Brot und die unendlich vielen Gemüse- und Fleischkartons sowie die unzähligen Dosen Cola, Wasser etc. bald unter Deck in den zugehörigen Lasten (Speisekammern) verstaut. Erstaunlich wo sich in so einem Schiff überall eine Klappe im Boden findet, hinter der sich ein Stauraum verbirgt. Nach der ersten Mahlzeit klärte sich dann auch die Frage, wer das alles essen solle, denn Seeluft mach hungrig und der Smut zauberte zu Mittag sogar Dreigängemenues. Hut ab, was in einer so kleinen Kombüse alles zubereitet werden kann. Das Auslaufen erfolgte in den Abendstunden, nachdem die örtliche Feuerwehr die Gelegenheit genutzt hatte, die Alex als Objekt für eine Brandabwehrübung zu nutzen. Am Pier erschollen Abschiedsrufe und an Bord das Typhon (Signalhorn). Nach kurzer Zeit waren alle Segel gesetzt.
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8-12 Wache
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Hafenkneipe in Valparaiso
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Fahrstuhl in Valparaiso
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Feuerwehr an Bord

Der Fischreichtum des Humboldtstroms hatte seine Folgen. Schon am ersten Tag sahen wir Pelikane, die bei der Jagd nach Fischen in unnachahmlicher Art ins Wasser stürzen, aber auch Delphine, Haie und Robben wurden gesichtet.  
Zwar schwankte das Schiff in einer wundervollen langen 2-3 Meter hohen Pazifikdünung vor sich hin, nur der Wind ließ uns leider im Stich. Wir motorten daher knapp ausserhalb Sichtweite der chilenischen Küste nach Norden. Es war Gelegenheit für "heissgeliebte" Erhaltungsarbeiten am Schiff. Allenthalben sah man jemanden mit einem Pinsel in der Hand oder man hörte jemanden Rost klopfen. Dank der ruhigen See konnte auch der Geburtstag von Toppsmatrose Jörg von der 4-8 Wache zünftig begangen werden. Die Messe war festlich geschmückt und natürlich gab es einen Kuchen. Die Lufttemperatur betrug 20 Grad bei einem Wind Bft 1 aus Nordost. Der Fahrtwind unter Motorfahrt, die uns mit ca. 6 kn nach Norden brachte machte den Aufenthalt an Oberdeck sehr angenehm. Die Wassertemperatur war mit 19 Grad zum Baden allerdings noch nicht ganz so einladend.  
Zur Abkuehlung wurde jedoch bald eine Seewasserdusche an Oberdeck installiert, die mit Begeisterung genutzt wurde. Am Valentinstag gab es zum Fruehstück neben herzhaften Spiegeleiern mit Speck herzfoermige Kaubonbons als Gruss aus der Kueche. Darueber, ob weitere Valentinsgruesse ausgetauscht wurden, schweigt der Chronist. Es wurden jedoch einige junge Damen beobachtet, die nach einer sogenannten "Fleurop-Boje" Ausschau hielten. Stattdessen sind jedoch nur die Anden am Horizont in Sicht gekommen.  

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Steuermann Rolf
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Unter der Decksdusche
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Erste Geige
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Doc Kirsten

Am 15.02. wurde der erste Wal gesichtet, der sich fotogerecht an Steuerbord in Position brachte, mehrfach seinen Blas produzierte und die Fluke beim Abtauchen in die Sonne hielt. Die Nächte wurden intensiv zur Sternenkunde genutzt. Neben dem Kreuz des Südens konnten diverse weitere bekannte Sterne und Sternenbilder identifiziert werden. Spät in der Nacht kam dann auch noch der "kleine Hunger" vorbei und man brutzelte um 04:00 Uhr morgens Kaiserschmarrn und Spiegeleier mit Speck in der Kombüse. Wem es unter Deck zu warm wurde, der schlief an Oberdeck unter freiem Himmel. In den frühen Morgenstunden gingen wir in der Bahia Moreno dichter unter Land. Den Leuchtturm Pta. Tetas passierten wir in einer Seemeile Abstand. Eindrucksvoll wie sich die Dünung an den Felsenstränden der steil abfallenden vulkanischen Küstengebirge bricht. In Anbetracht der Temperaturen, wir hatten um 09:00 Uhr morgens bereits 27 Grad Celsius erreicht, wuchs der Wunsch zur Abkühlung einfach mal ins Wasser zu springen.  
Beim 8:00 Uhr Wachwechsel ertönte heute statt, des "Gode Wacht" ein Happy Birthday Staendchen für Kirsten (Dr. Kirsten Schwichtenberg), obwohl sie sich doch so sehr darum bemueht hatte, diesen Ehrentag geheim zu halten!  

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Josef, Granat-Klaus & Johannes 
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Gabi, Claudi, Susan und Sophie
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Hugo, Sophie und Jörg
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Martin und Silvana

In den Nachmittagsstunden des 16.02. passierten wir eine Wasserleiche. Zum Glück handelte es sich nur um einen Seeloewen, der sich offensichtlich in einer Leine verfangen hatte und verendet war. Die chilenische Landschaft an Steuerbord blieb beeindruckend karg. Oft fiel der Vergleich mit einer Mondlandschaft. Einige regten auch an, dass sich diese Landschaft als Kulisse für Raumschiff Enterprise eignen würde. Steile Berghaenge bis zum Ufer ohne jegliche Vegetation und ohne Zeichen von Leben, mit Ausnahme einzelner kleiner Ortschaften in sehr sehr grossen Abstaenden. Eine ganze Nacht an der Küste entlang segeln und außer einem einzigen Paar Autoscheinwerfer kein Licht zu sehen war keine Ausnahme. Dadurch war der Sternenhimmel besonders in den Stunden bevor der Mond hervorkommt beeindruckend. Die 8-12 Wache hatte gestern abend das Vergnügen Segel zu setzen, nachdem eine leichte Backstagsbrise aufgekommen war. Da wir so lange darauf gewartet hatten, war die Unterstuetzung durch die Freiwache gross. Obwohl 13 Segel zu setzen waren, kam keine Muedigkeit auf. Leider hatte bereits die folgende Wache das zweifelhafte Vergnügen alle Rahsegel wieder wegzunehmen, nachdem uns der Wind wieder im Stich ließ.  

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Bernd und Bea
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Im Alex-Friseursalon
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Chief Manfred
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Feuerwehr Garbsen
Zwischenstation auf dem Weg nach Callao war der Hafen von Iquique, wo wir am 17.02. festgemacht haben. Von See aus bietet die Stadt einen trostlosen Anblick von Hochhaeusern vor steilen Berghängen. Dieser Eindruck setzte sich bei der Besichtigung der Stadt gluecklicherweise nicht fort. Der Stil der Haeuser erinnerte an einen Italowestern und auch der Verfall hat dabei etwas charmantes. Trotz der Warnungen über Nepper, Schlepper, Bauernfaenger, die man ja in fast jedem Hafen hoert, fuehlte man sich sicher auf den Strassen und ueberall sehr freundlich aufgenommen. Ueberhaupt waren alle Crewmitglieder von der entspannten freundlichen Art der Chilenen angetan. Auch die Natur hat sich noch mal etwas angestrengt. Ein wunderschoener Sonnenuntergang über dem Pazifik. 40 Seeloewen, die sich im Hafenbecken tummeln. Gluecklicherweise wird auf den Film- und Fotoaufnahmen der Tiere der Geruch nicht mitdokumentiert. Den aufkommenden Wind nach Anlegen haben einige jedoch als Hohn empfunden! In der Stadt fand am Abend ein Tanz- und Musikfestival statt, das die Rueckkehr an Bord für einige deutlich verzoegert hat. In der Messe und der Steuerbordseitentasche wurde dann weitergefeiert. Hierbei wurden lokale Weine verkostet die allgemein große Zustimmung fanden.  
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Iquique
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Tagesausflug
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Salpetermine
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Fotosafari
Am 17.02.06 war Hafentag in Iquique/Chile. Bis auf eine kleine Wachmannschaft hat die gesamte Crew einen Tagesausflug in die Atacamawueste unternommen. Um es kurz zu fassen: Gefroren hat niemand dabei. Zunaechst schraubte sich unser Bus von Meereshoehe die unmittelbar hinter dem Kuestensaum beginnenden steilen Haenge hinauf. Ein atemberaubender Ausblick auf Iquique bot sich dar. Einmal auf der Wuestenhochebene angelangt, besichtigten wir einen stillgelegten Salpetertagebau. Eine Geisterstadt mit halb im Sand verschuetteten Produktionsanlagen und Gueterlokomotiven. Harte koerperliche Arbeit in der flirrenden Hitze, dies war sicherlich kein erstrebenswerter Arbeitsplatz. Das Mittagessen in einer Oase war danach willkommene Gelegenheit die Fluessigkeitsspeicher wieder aufzufuellen. Unter anderem geschah dies mit dem Nationalgetränk: Pisco sour (sehr lecker!). Am Abend sind wir gleich nach Rueckkehr vom Ausflug ausgelaufen. Die Verabschiedung war ueberaus herzlich. Schlepperballett, Feuerloeschkanonendusche mit Riesenregenbogen und ein ohrenbetaeubendes Typhoonkonzert. Man hatte die Alex und ihre Crew offensichtlich sehr schaetzen gelernt. Nur der Wind, der mag uns immer noch nicht! 
18.02.06 Endlich wieder unter Segeln. Jedes Rahsegel ist gesetzt, 24 Grad Lufttemperatur und gute Laune!!! Um weiter segeln zu können, haben wir uns gegen einen zusaetzlichen Hafentag in Pisco/Peru entschieden. Da ohnehin fast jedes Segel gesetzt war, haben wir auch noch gleich eine Fotosafari mit dem Beiboot "Weser" um die Alex gemacht. Dies wurde mit großer Begeisterung aufgenommen. Dank moderner Speichermedien ist heute auch der Fotoamateur etwas freigiebiger mit der Bildanzahl als frueher als ein Standardfilm 36 Bilder hatte. Ein Mitsegler hat z.B. in den 5 Minuten Rundfahrt ums Schiff 70 Bilder verschossen! Es ist aber auch immer wieder ein imposanter Anblick wenn die Alex unter vollen Segeln auf einen zu rauscht. Es folgten ungetrübte Segeltage mit gleichmaessigen 4 Bft schraeg von achtern im Südostpassat entlang der peruanischen Kueste: „Ein Sonntag mit Fruehstuecksei am morgen, 3 Gaenge-Menue zu Mittag und Kuchen am Nachmittag. Strahlender Sonnenschein und 27 Grad Celsius Lufttemperatur. Die Decksdusche bietet mit 26,5 Grad Wassertemperatur eine sehr angenehme Erfrischung. Die Magen-Darminfekte, die der eine oder andere als Andenken aus dem letzten chilenischen Hafen mitgebracht hat, klingen ab. Es koennte uns kaum besser gehen!!! Die groesste Wassertiefe über die wir heute hinweggesegelt sind war 5376 m. Dagegen ist die Ostsee wirklich nur eine überschwemmte Wiese.“ Wieder gab es um Mitternacht ein Staendchen, diesmal für Steuermann Rolf anlässlich seines Geburtstages und einen Kuchen mit der Silhouette der Alex in Schokopulver. An Oberdeck herrschten 26 Grad Celsius und ein angenehmer Fahrtwind. Anders sah es in der Maschine aus: 35 Grad Celsius und ein Geruch von Diesel und Abgasen in der stickigen Luft. Heute Nacht entdeckte der Ausguck ein unbeleuchtetes Fahrzeug, das wir mit nur wenigen hundert Meter Abstand passierten. Es bewegte sich dann zunaechst sehr schnell auf uns zu, fuhr in Zick-Zackkursen und entfernte sich. Im Radar wurden dabei Geschwindigkeiten von mehr als 40 Knoten angegeben. Die Diskussionen an Bord gingen naturgemäss hoch her. 40 Knoten ist für ein Boot schon sehr schnell und die See ist nicht völlig ruhig. Was für ein Boot erreicht unter solchen Bedingungen so hohe Geschwindigkeiten? Warum faehrt jemand in der Dunkelheit ohne Lichter so schnell 30 Meilen entfernt von der Küste über den Pazifik? Auch wenn hier jemand nur eine naechtliche Spritztour gemacht hat, er hat uns doch einige mulmige Minuten beschert.  
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Geburtstagskuchen
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Sophie
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Werner
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Ingeburg und Hans-Peter
Am 22.02.gab es schon wieder eine Feier. Heute beging Martin (Hiller) seinen 30. Geburtstag und wie es sich für einen runden Geburtstag gehoert wurde dies anstaendig gewuerdigt. Neben der jetzt schon obligatorischen Torte mit Alexbild darauf gab es eine Party mit Kaesespiesschen und anderen Leckereien. Als zusätzliche Gaeste stellten sich eine Schule Delphine ein, die am Abend am Heck mit dem Schiff mitschwammen. Zum Glueck interessierten sie sich nicht für den Koeder an der Angelleine, die wir nachschleppten. Ein Delphin an der Leine haette uns wohl doch in Verlegenheit gebracht. Unter vollen Segeln mit 8 Knoten Fahrt unterwegs gab es Gelegenheit für Segelmanöver und die bisher verpackten Segel, wie z.B. das Grossroyalstagsegel kamen zum Einsatz.  
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Doc Uwe
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Ullo, Susanne, Claudi & Susan
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Petri Dank!
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Jürgen
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Empfang in Callao
Auch am Folgetag flogen wir weiter übers Wasser. Mehrfach haben wir fliegende Fische gesehen und auch anderen ist dies nicht entgangen. Wir konnten zweimal beobachten, wie ein Seevogel (Modell Albatross, nur etwas kleiner)im Sturzflug in die See getaucht ist und nach wenigen Sekunden mit einem Fisch im Schnabel wieder auftauchte. Dann hatten auch wir Jagdglueck. Die 0-4 Wache hatte einen richtig grossen Fisch an der Angel. Man berichtete, er sei in Rekordzeit in der Kombüse gelandet und dort umgehend zubereitet und genauso umgehend verzehrt worden. 25.02.06 war Einlaufen Callao dem Hafen von Perus Hauptstadt Lima. Zuvor mußte noch kräftig Reinschiff gemacht werden. Dank Zitronen und Salz glänzte die Schiffsglocke und der Magnetkompass. Beim Einlaufen haben wir einen Riesenmöwenschwarm aufgescheucht. Hoffentlich hat niemand Vogelgrippe bekommen. Beim Captainsdinner haben sich die Smuts übertroffen und die Toppsis und Maschinisten einen perfekten Service geboten. Chilenische Weine gaben einen angemessenen Rahmen für einen gelungenen Törnabschluß. Es wurde ausgelassen an Oberdeck weitergefeiert. Am Folgetag gab es noch einen Botschaftsempfang an Bord. Die lokalen Spezialitäten, die die einheimische Cateringgesellschaft credenzte wurden offenbar vielen Mitseglern zum Verhängnis, denn die e-mails, die den Doc nach der Reise erreichten, lassen darauf schließen, dass ca die Hälfte der Besatzung nachträglich daheim mit Montezumas Rache zu kämpfen hatte.

Dies war ein Gastbericht von Bordarzt Dr. Uwe Schwichtenberg.  Herzlichen Dank dafür!
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Menukarte Captainsdinner
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Smuts Daniel und Holger
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Bootsmann Hannes
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Segel packen